Es ist nie zu spät…
Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben, heisst das Buch von Ben Furman, ein finnischer Psychiater und Psychotherapeut, der sich vor allem mit Kurzzeittherapie einen internationalen Namen gemacht hat. In seinem o.g. Buch räumt er auf mit dem Mythos, dass eine ungünstige Kindheit automatisch auch eine ungünstige weitere Lebensentwicklung nach sich zieht. Eine Richtung, der ich nur zustimmen kann, wobei er hier für mich zu ausschließlich argumentiert und die Auswirkung von traumatischen Ereignissen in der Kindheit “herunterspielt”.
Dennoch ein guter Ansatz, der vor allem auf die positiven Ressourcen abzielt, die man aus der Überwindung von negativen Erlebnissen ziehen kann, dazu ein paar “Weisheiten” von ihm aus seinem o.g. Buch:
- Schätze es, wie Du Schwierigkeiten in Deinem Leben überwunden hast.
- Siehe Probleme, die Dir begegnet sind, als Prüfsteine, die Dich als Mensch weitergebracht haben.
- Merke Dir die Ressourcen, die in Dir und um Dich sind; es gibt mehr davon, als Du ahnst.
- Schätze Deine Entwicklung und Deine Erfolge und richte Deine Aufmerksamkeit auf Zeichen, die dafür sprechen, dass Du auf dem richtigen Weg bist.
- Sei Dir bewusst, was Du vom Leben erwartest und Dir von der Zukunft wünscht. Wünsche haben die Neigung, wahr zu werden, aber kein Wind ist günstig für ein Schiff, das kein Ziel hat.
- Glaube daran, dass Du eine gute Zukunft verdient hast. Wenn die Vergangenheit schwer war, um so eher hast Du sien verdient.
- Sei barmherzig mit Dir selbst und denke daran, Du bist nicht allein: es lohnt sich die Senfkörner zu suchen, auch wenn man sie nicht findet
Die “Wahrheit” wird wohl wieder irgendwie in der Mitte liegen – zwischen der Aufarbeitung der Traumen ohne Kartharsis und den Ressourcen, die Ben Furman auf runden 100 Seiten beschreibt.
Autor: Volker Hepp, erstellt am 18. Juni 2009
27. Juli 2009um19:57
Danke Herr Krepp für diesen Kommentar. Ich bin erwachsenes Kind einer schwer psychisch kranken Mutter. Aus meiner Kindheit habe ich eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Auch wenn ich die Grundeinstellung von Herrn Furman für gesund halte und auch schon seit Jahren versuche, diese zu verinnerlichen, habe ich mich nach dem Lesen seines Buches sehr schlecht gefühlt. Schlecht darüber, dass ich auch nach über 10 Jahren Arbeit an meinen Themen immernoch tagtäglich im Bann so vieler ganz alter aus der Kindheit rührender Probleme stehe.
Danke also, dass sie auch die Wichtigkeit der Aufarbeitung von Traumen betonen, das entspricht auch meinem Gefühl.
27. Juli 2009um19:59
Oh Entschuldigung, ich habe sie ja falsch angeredet, Herr Hepp. Ich bitte das zu korrigieren!
27. Juli 2009um20:20
Wobei – ich bin da immer frech – man auch bei Therapeuten sich das Recht herausnehmen darf, sie auszutauschen, wenn diese und deren Methoden nicht den gewünschten Fortschritt bringen. Und 10 Jahre “Arbeit an sich selbst” ist da schon eine ziemlich lange Zeit, für meinen Geschmack zu lange. Oder haben Verbesserungen stattgefunden? Zurück zu Furmann – ich denke, es ist, wie oft, der Mittelweg: Aufarbeitung & ruhen lassen….