Von den Eltern lösen

“Ich will mich von meinen Eltern lösen, damit ich auf eigenen Beinen stehen kann” oder “Ich will mich von Elternteil xy lösen” sind immer mal wieder Wünsche in einem Coachinggespräch meiner Gegenüber. Natürlich gibt es gerade in den Systemaufstellungen wirkungsvolle Rituale, um solche Los-Lösungen zu bewerkstelligen, aber ist es sinnvoll, sich voll und ganz von den eigenen Eltern zu lösen?

Sich von den Eltern zu lösen bedeutet in diesem Kontext immer auch, dass man sich stückweise von seinen eigenen Wurzeln entfernt. Und wo keine Wurzeln mehr da sind, wird der eigene Stand meistens instabiler. Also kann eine solche “Loslösung” auch Instabilität bedeuten. Vielleicht ist es einfacher, wenn man sich die Menschen, so auch die eigenen Eltern, als eine Ansammlung von verschiedenen Facetten vorstellt. Und mit irgendeiner oder mehreren Facetten des ganzen Systems hat man Probleme. Und will sich davon lösen.

Also nicht vom Gesamtsystem Mutter oder Vater, sondern von verschiedenen Facetten und Anteilen, die einem vielleicht nie gut taten – bis heute nicht. Und dann macht das Ansinnen “Ich will mich….” wieder mehr Sinn. Und vielleicht gelingt es bei dieser Gelegenheit auch, auf seine eigenen Facetten zu schauen und sich zu überlegen, ob da alle noch dem Alter adäquat passend sind? Oder ob – gemäß meinem Busfahrermodell – nicht vielleicht zu oft der Fünfjährige am Steuer des Lebensbusses sitzt?

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Autor: Volker Hepp, erstellt am 27. August 2009

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